Ein Schlaganfall kommt meist völlig unerwartet. Wenn er auftritt, muss es schnell gehen. Vom Rettungsdienst über die Ärzte bis zur Pflege müssen die Abläufe ineinandergreifen. Denn für viele Betroffene ist die Behandlung mit der Akutversorgung noch längst nicht abgeschlossen.
Genau hier setzt das NeuroNet SaarPlus an. Seit rund einem Jahr verbinden die neurologischen Kliniken der Marienhaus Kliniken in Saarlouis und St. Wendel stationäre und ambulante Versorgung, Rehabilitation und Nachsorge. Zum Netzwerk gehören außerdem die neurologischen MVZ in Saarlouis und Hermeskeil, die geriatrische Rehabilitation in Hermeskeil und das ZAR Saarbrücken. Ziel ist es, die verschiedenen Schritte der Behandlung besser miteinander zu verzahnen.
Nach Angaben von Dr. Robert Liszka (Chefarzt der Neurologien in Saarlouis und St. Wendel sowie der Akutgeriatrie in St. Wendel und Leiter des NeuroNet SaarPlus) werden über das Netzwerk einschließlich der Akutgeriatrie jährlich mehr als 5.000 Patienten versorgt. Die zum Start des Netzwerks veröffentlichte Zahl lag bei mehr als 4.500 neurologischen Behandlungsfällen pro Jahr, darunter rund 1.000 Schlaganfallpatienten auf zertifizierten Stroke Units.
Schlaganfall bleibt ein zentraler Schwerpunkt
In Saarlouis wie in St. Wendel verfügt die Neurologie über eine zertifizierte Stroke Unit. Schlaganfälle und transitorisch-ischämische Attacken, kurz TIA, können dort unmittelbar diagnostiziert und behandelt werden. CT und MRT stehen für die schnelle Abklärung zur Verfügung. Bei geeigneten Patienten ist eine Lysetherapie möglich.
An diesem Punkt setzt die Vernetzung mit den weiteren Einrichtungen an. Nach der Akutbehandlung können neurologische Weiterbehandlung, Rehabilitation und ambulante Therapien anschließen. Eine zentrale Anlaufstelle soll dabei die Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen erleichtern.
Auch beim ersten Saarlouiser Schlaganfalltag im September stand das Thema im Mittelpunkt. Das Marienhaus Klinikum hatte gemeinsam mit der Landesfachstelle Demenz und zahlreichen Kooperationspartnern zu der Veranstaltung ins Theater am Ring eingeladen.
Starkes ärztliches Team
Hinter dem Netzwerk stehen spezialisierte Teams an mehreren Standorten. In Saarlouis gehören neben Liszka die leitende Oberärztin Dr. Sonja Lallier sowie die Oberärzte Dr. Skander Charfi, Babak Makkinejad und Dr. Ibram Adel zum neurologischen Team. Adel hat einen Schwerpunkt in der Epileptologie. Mit der Videolangzeit-EEG-Diagnostik wurde die Diagnostik in diesem Bereich zuletzt erweitert.
Auch in St. Wendel ist die Neurologie breit aufgestellt. Zum Team gehören der leitende Oberarzt Johannes Schuler, die Oberärzte Christoph Fratzer und Tesfaye Dessissa sowie die Oberärztin Neli Karkashadze. Ein weiterer Schwerpunkt des Standorts ist die Neurogeriatrie. Gerade bei älteren Patienten überschneiden sich neurologische und geriatrische Erkrankungen häufig. In St. Wendel arbeiten deshalb Neurologie und Akutgeriatrie eng zusammen.
Auch die Parkinsonbehandlung spielt eine wichtige Rolle. Die Klinik ist Mitglied im Deutschen Parkinson Kompetenznetz und bietet eine Parkinson-Komplexbehandlung an. Die Akutgeriatrie wird von Liszka geleitet. Sektionsleiterin des Zentrums für Altersmedizin ist die leitende Oberärztin Christiane Walbrodt. Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Behandlung geriatrischer Patienten nach einem Schlaganfall sowie bei Parkinson, Demenz, Gangstörungen und weiteren Erkrankungen.
Ambulante Versorgung
Auch die ambulante Versorgung gehört zum Konzept. Im Marienhaus MVZ in Saarlouis behandeln Prof. Dr. Stefan Jung und Dr. Ibram Adel Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Jung hatte die Saarlouiser Neurologie zuvor viele Jahre als Chefarzt geleitet und wechselte mit dem Start des Netzwerks in die ambulante Versorgung.
Auch in Hermeskeil gibt es eine neurologische Praxis. Dort gehören unter anderem die Schlaganfallnachsorge und die Behandlung von Multipler Sklerose zum Leistungsspektrum.
Die enge Verbindung von Klinik und ambulanter Versorgung kommt allerdings nicht nur Schlaganfallpatienten zugute. Auch bei Epilepsie, Parkinson, Multipler Sklerose, Demenzerkrankungen und anderen neurologischen Erkrankungen können verschiedene Formen der Behandlung notwendig sein. Deshalb geht es beim NeuroNet SaarPlus vor allem darum, mehrere Bereiche der neurologischen Versorgung miteinander zu verbinden. Für Patienten bedeutet das vor allem eins: ein abgestimmtes Zusammenspiel aus Akutbehandlung, ambulanter Weiterbehandlung und Rehabilitation.



